Warum du deine Federung einstellen solltest
Eine falsch eingestellte Federung verschlechtert das Verhalten jedes Motorrads. Zu hart federt sie auf Unebenheiten ab und verliert an Haftung. Zu weich taucht sie beim Bremsen ein und schlägt in Bodenwellen durch. Die Werkseinstellung ist ein Kompromiss für einen Fahrer von 75 kg — wenn du leichter, schwerer bist oder mit einem Beifahrer fährst, musst du anpassen.
Die drei grundlegenden Parameter sind die Vorspannung, die Zugstufe (rebound) und die Druckstufe. Die Vorspannung regelt die statische Einfederung. Die Zugstufe kontrolliert die Rückholgeschwindigkeit. Die Druckstufe kontrolliert den Widerstand gegen Einfederung.
Schritt 1 – SAG messen
Der SAG (statische Einfederung) ist die Grundlage jeder Einstellung. Ohne korrekten SAG bringen Zugstufen- und Druckstufeneinstellungen nichts.
Methode mit Messstab und Kunststoffbinder
- Befestige einen Kunststoffbinder an der Stoßdämpferstange hinten oder dem Gabelrohr
- Statischer SAG (ohne Fahrer): Schiebe den Binder nach unten gegen die Dichtung, hebe dann das Hinterrad des Motorrads an und lass es langsam heruntersinken. Miss die Entfernung zwischen dem Binder und der Dichtung — das ist die Einfederung unter dem Eigengewicht des Motorrads. Ziel ist 5–10 % des gesamten Federwegs.
- Fahrer-SAG (rider SAG): Sitz auf dem Motorrad in Fahrposition, normal ausgerüstet. Ein Freund schiebt den Binder. Ziel ist 25–30 % des Gesamtfederwegs hinten und 25–33 % vorne.
Beispiel: Wenn dein Stoßdämpfer 120 mm Federweg hat, sollte der Fahrer-SAG zwischen 30 und 36 mm liegen.
Wenn der SAG falsch ist
- Zu viel Einfederung (SAG > 30 %) → erhöhe die Vorspannung
- Zu wenig Einfederung (SAG < 25 %) → reduziere die Vorspannung
- Wenn du am Limit der Vorspannung bist und der SAG ist immer noch zu groß, ist die Feder zu weich für dein Gewicht. Du musst die Feder wechseln, nicht weiter drehen.
Schritt 2 – Vorspannung einstellen
Hinterrad-Stoßdämpfer
Die meisten Stoßdämpfer haben einen einstellbaren Zahnring, der mit einem Stellschlüssel (Spannschlüssel) gedreht wird. Im Uhrzeigersinn drehen, um die Vorspannung zu erhöhen (weniger SAG), gegen den Uhrzeigersinn, um sie zu verringern.
Bei einigen Sportmotorrädern ist es ein Handrad oder eine hydraulische Fernbedienung. Schau in dein Handbuch, um das System zu identifizieren.
Vordergabel
- Normale Gabel: Die Vorspannung wird oft über eine Sechskantschraube oben am Rohr eingestellt. Eine volle Umdrehung = einige Millimeter Vorspannung.
- Umgekehrte Gabel: Gleiches Prinzip, aber die Einstellung kann unten am Schaft oder oben je nach Hersteller erfolgen (Showa, KYB, WP).
Schritt 3 – Zugstufe einstellen (rebound)
Die Zugstufe kontrolliert die Geschwindigkeit, mit der die Federung nach der Kompression in die Ausdehnung zurückkehrt. Eine zu schnelle Einstellung lässt das Motorrad unkontrolliert wippen. Zu langsam, die Federung "stapelt" Schläge und sinkt allmählich ein.
- Finde die Zugstufen-Schraube — oft unten am Stoßdämpfer (rote oder goldene Stellschraube) und oben am Gabelrohr
- Starte von der Position vollständig offen (Schraube bis zum Maximum gelöst, während du die Klicks zählst)
- Ziehe um ein Drittel der Gesamtzahl der Klicks an
- Test: Drücke kräftig auf den Sattel und lass los. Das Motorrad sollte in einer Oszillation zurückkehren, ohne zu wippen
Schnelle Methode: Wenn das Motorrad mehrfach wippt, hast du zu wenig Zugstufe. Wenn es sehr langsam hochfährt und niedrig bleibt, hast du zu viel.




