Der Größen-Dschungel — ETRTO schafft Klarheit
Der gleiche Reifen kann als "700x25C", "25-622" oder "28 Zoll" gekennzeichnet sein. Kein Wunder, dass das zu Verwirrung führt. Das ETRTO-System (European Tyre and Rim Technical Organisation) schafft Ordnung.
ETRTO-Format: Breite-Innendurchmesser (in mm)
| Übliche Bezeichnung | ETRTO | Typisches Fahrrad |
|---|---|---|
| 700x23C | 23-622 | Rennrad Wettkampf |
| 700x25C | 25-622 | Rennrad Performance |
| 700x28C | 28-622 | Rennrad Langstrecke |
| 700x32C | 32-622 | Gravel leicht |
| 700x40C | 40-622 | Gravel |
| 700x47C | 47-622 | Gravel Adventure |
| 29x2.25" | 57-622 | MTB 29" |
| 27.5x2.35" | 60-584 | MTB 27.5" |
| 26x2.10" | 54-559 | MTB 26" (legacy) |
| 20x1.75" | 47-406 | Faltrad / Lastenrad |
Die Zahl, die wirklich zählt, ist der Innendurchmesser (622, 584, 559, 406…). Sie bestimmt, ob der Reifen auf deine Felge passt. Ein "700C"-Reifen und ein "29-Zoll"-Reifen haben denselben Innendurchmesser (622 mm) — es ist die gleiche Radgröße.
Reifenbreite und Felgen-Innenbreite
Der Reifen muss mit der Innenbreite deiner Felge kompatibel sein. Zu schmal auf einer breiten Felge = kantiges Profil, schlechter Grip. Zu breit auf einer schmalen Felge = bauchiges Profil, Absprung-Risiko.
Empfohlene Kompatibilitätsmatrix:
| Felgen-Innenbreite | Empfohlene Reifen |
|---|---|
| 13-15 mm | 23-28 mm |
| 17 mm | 25-32 mm |
| 19 mm | 28-40 mm |
| 21 mm | 30-50 mm |
| 23 mm | 35-55 mm |
| 25 mm | 40-60 mm |
| 30 mm | 50-65 mm |
| 35 mm | 55-70 mm |
Einfache Regel: Die Reifenbreite sollte zwischen dem 1,4- und 2,4-Fachen der Felgen-Innenbreite liegen. Unter 1,4x → zu schmal, über 2,4x → zu breit.
Achtung: Prüfe auch die Bodenfreiheit am Rahmen und an der Gabel. Ein Reifen, der auf deine Felge passt, kann trotzdem am Rahmen, an den Streben oder an den Bremssätteln schleifen.
TPI — was misst das?
TPI = Threads Per Inch, die Anzahl der Fäden pro Inch in der Reifenkarkasse.
- Niedriger TPI (24-60): robustere Karkasse, pannensicherer, schwerer, weniger flexibel. Ideal für Stadt-/Pendlernutzung
- Hoher TPI (90-170): feinere Karkasse, flexibler, besserer Rollwiderstand, leichter, aber weniger schnittfest. Ideal für Wettkampf und Performance
- Mittlerer TPI (60-90): guter Kompromiss zwischen Sicherheit und Rollwiderstand
Ein Continental GP5000 in der Standardversion hat 110 TPI. Die "S TR"-Version (tubeless ready) hat ebenfalls 110 TPI, aber mit einer zusätzlichen Schutzschicht. Der GP5000 "AS" (All Season) hat 110 TPI mit einer Vectran-Unterschicht gegen Pannen.
Compound-Typen (Gummi)
Das Compound ist die Gummisorte der Lauffläche. Es beeinflusst Grip, Haltbarkeit und Rollwiderstand.
Mono-Compound: ein einziger Gummi über die gesamte Breite. Kompromiss zwischen Grip und Haltbarkeit. Standard bei Budget-Reifen.
Dual-Compound: harter Gummi in der Mitte (Rollwiderstand, Haltbarkeit) + weicher Gummi an den Flanken (Kurvengrip). Standard bei Mittelklasse-Reifen.
Triple-Compound: drei verschiedene Gummizonen. Das leistungsfähigste, aber auch teuerste. Standard bei Premium-Reifen (Schwalbe Addix SpeedGrip, Continental BlackChili).
Gummihärte (Shore A):
- 40-50 Shore A: sehr weich, ausgezeichneter Grip, schnelle Abnutzung (Abfahrt, DH)
- 50-60 Shore A: vielseitig (Trail, Gravel)
- 60-70 Shore A: hart, gute Haltbarkeit, reduzierter Grip (Straße, Stadt)




